Seit
14 Jahren wohnt Jürgen Haberstroh an der Costa Blanca. "Weil
hier die Farben besser trocknen", schmunzelt er. Aber wirklich
niedergelassen hat er sich in Denia nicht. Immer noch pendelt
der gelernte Seemann zwischen Hamburg und Spanien hin und her.
Der 61. jährige war im Alter von 14 aus dem Schwarzwald nach
Hamburg gezogen, um die Welt zu entdecken. Es sei die günstigste
Möglichkeit den Globus zu sehen, sagt er. Dreimal habe er
die Welt umfahren. Neun Monate davon verbrachte er in Kolumbien.
Dann habe er keine Lust mehr auf Südamerika gehabt. Er kehrte
nach Hamburg, in seinen "Heimathafen", zurück.
Während seiner Reisen beschäftigte er sich nebenbei
ständig mit dem Malen. Seinem Vater, ebenfalls ein Künstler,
hatte er schon mit neun Jahren geholfen, Farben zu mischen. "Dann
habe ich irgendwann meine eigenen Sachen gemalt." Er blieb
in Hamburg und verdiente seinen Lebensunterhalt als Barkeeper.
Zusammen mit zwei Freunden gründete er 1985 eine Produzentengalerie
in St. Pauli. Dort stellte er erstmals seine Bilder aus. Während
dessen riefen die drei das Van Gogh - Institut in Hamburg ins
Leben.
Haberstroh
malt Landschaftsimpressionen. Das heißt, eigentlich malt
er "impressionistische Landschaftsexpressionen". Vor
allem das Meer und der Himmel spielen wichtige Rollen in seinen
Bildern, die er mit Öl auf Leinwand malt. Die Kunstwerke
entstehen meistens nachts oder in den frühen Morgenstunden.
Er malt fast immer in seinem Atelier. Am liebsten mit den Fingern,
Spachtel, Lappen und Schwämmen. Die Bilder Haberstrohs bilden
oft seine Lebensansichten ab. Immer wieder tauchen religiöse
Themen auf, aber auch Erotik spielt eine wiederkehrende Rolle.
Das alle Religionen, Glaubensrichtungen und dicke Frauen seine
Leidenschaft sind, drückt sich immer wieder in seinen Bildern
aus. In seinen Bildern hat er aber auch seine Alkoholexzesse verarbeitet
und seine persönliche Impulsivität springt einem in
knalligen Farben entgegen. Für Jürgen Haberstroh ist
Malen Seelentherapie. Dies lässt sich am besten an seinen
Bildern in den verschiedenen Lebensphasen sehen. Nach seinem Alkoholentzug
in den 80er Jahren folgten nur schwarzweiß Bilder, mit diesen
Bildern hatte er auch erste Erfolge. Seine heute so geschätzten
farbigen Bilder entstehen erst in Spanien. Jürgen Haberstroh
ist kein Freund von Vorzeichnen oder Farbenmischen, die Bilder
entstehen in seinem Kopf und werden direkt auf die Leinwand projeziert.
Deshalb sind die Bilder ein Streifzug durch die Stimmungen des
Künstlers.

Seinen Lebensauftrag, das Malen, erfüllt er sowohl in Spanien,
als auch in Hamburg. Mit seiner Lebensgefährtin Helga fliegt
er regelmäßig in die Hansestadt. Dort hat er ebenfalls
ein Atelier und eine Galerie.